ProVida 2000/2626 2026: Weg-Zeit-Messung aus Videoaufzeichnung
Das ProVida-System (Modelle 2000 und 2626) von Petards Group (ehemals Tele-Traffic) ist ein mobiles Geschwindigkeitsmessgerät, das auf einem völlig anderen Prinzip basiert: Video-Nachfahren. Ein Beamter folgt einem Fahrzeug im Polizeifahrzeug, während eine Kamera die Entfernung und Zeit aufzeichnet. Aus diesen Daten wird die Geschwindigkeit des vorausfahrenden Fahrzeugs berechnet. Das System ist relativ selten in Deutschland, wird aber an einigen Stellen eingesetzt und bietet zahlreiche Fehlerquellen.
Technische Funktionsweise
Das ProVida-System arbeitet nach einem innovativen Prinzip: Ein Beamter fährt mit konstantem Abstand hinter dem zu messenden Fahrzeug her. Eine Videokamera mit Entfernungsmessung (teils Radar) erfasst die Entfernung zwischen dem Polizeifahrzeug und dem Zielfahrzeug, sowie die verstrichene Zeit. Aus diesen Daten wird die Geschwindigkeit des Zielfahrzeugs berechnet. Das System nutzt also eine Art Verfolgungs-Weg-Zeit-Berechnung.
Ein kritischer Punkt ist, dass der Beamte das Polizeifahrzeug vollständig gleichmäßig fahren muss - keine Beschleunigung, keine Verlangsamung. Jede Abweichung von der Gleichmäßigkeit führt zu Messfehlern. Dies ist extrem schwierig und wird in der Praxis oft nicht korrekt durchgeführt.
Ein weiteres Problem ist die Abbildungsmaßstab-Veränderung: Wenn sich der Abstand zwischen den Fahrzeugen während der Messung verändert, ändert sich auch der Abbildungsmaßstab in der Videokamera. Dies kann zu Fehlmessungen führen.
Technische Daten
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Hersteller | Petards Group (ehem. Tele-Traffic) |
| Messprinzip | Video-Nachfahrsystem, Weg-Zeit-Berechnung aus Videoaufzeichnung |
| PTB-Zulassung | Keine spezifische Zulassung dokumentiert |
| Messbereich | ca. 10 bis 130 km/h |
| Toleranz | Toleranzproblematik bei Annäherung/Entfernung |
| Einsatzart | Mobil (Polizeifahrzeug, Nachfahrsystem) |
Häufige Fehlerquellen
Das ProVida-System ist mit extremen Fehlerquellen behaftet:
- Toleranzproblematik bei Abstandsveränderung: Wenn die Entfernung zwischen den Fahrzeugen sich während der Messung verändert, verändert sich der Abbildungsmaßstab. Dies führt zu Messfehlern. Die Toleranzberechnung wird komplex und ist oft fehlerhaft.
- Gleichmäßigkeit der Beamten-Fahrt: Der Beamte muss mit vollständig konstanter Geschwindigkeit fahren. Jede unbewusste Beschleunigung oder Verlangsamung führt zu Messfehlern. Dies ist praktisch unmöglich zu halten.
- Wegstreckenberechnung: Die genaue Berechnung der Wegstrecke aus der Videoaufzeichnung ist fehleranfällig. Kalibrierungsfehler oder fehlerhafte Entfernungsmessung führen zu Abweichungen.
- Kalibrierung des Tachos: Das System muss mit dem Tacho des Polizeifahrzeugs kalibriert sein. Fehlerhafte Tacho-Kalibrierung führt zu systematischen Messfehlern.
- Äußere Faktoren: Lichtverhältnisse, Wetterbedingungen und Fahrbahn-Unebenheiten können die Videoerfassung beeinflussen.
- Reaktionszeit: Die Reaktionszeit des Beamten beim Starten und Stoppen der Messung ist nicht präzise und führt zu Fehlern.
Wichtige Rechtsprechung
Das ProVida-System ist in Deutschland relativ selten und daher gibt es nicht viel Rechtsprechung speziell dazu. Allerdings haben sich Gerichte generell zu Nachfahrsystemen geäußert und betont, dass die genaue Einhaltung des Messprinzips erforderlich ist. Insbesondere die Anforderung an Gleichmäßigkeit der Beamten-Fahrt ist schwer nachzuweisen und wird von Gerichten kritisch hinterfragt.
Gerichte haben sich auch zu Toleranzfragen geäußert: Bei Video-basierten Messungen müssen Toleranzen explizit berechnet und dokumentiert sein. Fehlende oder mangelhafte Toleranzberechnungen sind ein Grund für Aufhebungen.
Das Fehlen einer PTB-Zulassung oder einer standardisierten Zulassungsnummer ist ebenfalls ein problematisches Merkmal, das Gerichte kritisch sehen.
Einspruch gegen ProVida Messung
Ein Einspruch gegen eine ProVida-Messung sollte fokussieren auf: (1) Die Schwierigkeit, Gleichmäßigkeit der Beamten-Fahrt nachzuweisen - wie wurde sichergestellt, dass der Beamte mit konstanter Geschwindigkeit fuhr?, (2) Toleranzberechnung überprüfen - wie wurde die Toleranz bei möglicher Abstandsveränderung berechnet?, (3) Tacho-Kalibrierung des Polizeifahrzeugs anfordern - war der Tacho zum Zeitpunkt der Messung kalibriert?, (4) Videomaterial prüfen - lässt sich aus der Aufzeichnung die Messung nachvollziehen?, (5) Bedenken zum Fehlen einer PTB-Zulassung anführen - ist das System überhaupt zugelassen?
Die Erfolgsaussichten bei ProVida-Messungen sind relativ hoch, da das System von vielen möglichen Fehlerquellen betroffen ist. Insbesondere die Unmöglichkeit, perfekte Gleichmäßigkeit in der Beamten-Fahrt nachzuweisen, ist ein starkes Argument. Die Toleranzproblematik ist auch ein gutes Argument. Das Fehlen einer eindeutigen PTB-Zulassung ist ebenfalls problematisch. Ein guter Einspruch mit detaillierten Fragen zur Messprozedur kann gute Erfolgsaussichten haben.
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